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Sexualität & Nähe · 8. Oktober 2026

Unterschiedliche Lust in der Beziehung: Raus aus Druck und Rückzug

Wenn einer deutlich häufiger Sex möchte als der andere, entsteht schnell ein Kreislauf aus Enttäuschung, Druck und Rückzug. Dieser Artikel zeigt euch, wie ihr darüber sprecht, Grenzen schützt und Nähe wieder sicherer gestaltet.

Von Sascha Mergens · 13 Min. Lesezeit

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ruhig, warm & empathisch

Paar (Führungskräfte, Geschäftsführer, Paare), 30–40 Jahre, in einem hochwertigen Zuhause, Stimmung: angespannt – Titelbild zum Beitrag „Unterschiedliche Lust in der Beziehung: Raus aus Druck und Rückzug“
Inhaltsverzeichnis

Unterschiedliche sexuelle Lust kann sich sehr persönlich anfühlen. Die Person mit mehr Verlangen erlebt vielleicht Zurückweisung, Einsamkeit oder Zweifel. Die Person mit weniger Lust fühlt sich womöglich beobachtet, schuldig oder unter Druck. Und plötzlich geht es nicht mehr um Lust, sondern um die Frage: Wer verletzt hier eigentlich wen?

Die gute Nachricht ist: Ihr müsst nicht dieselbe Lust haben, um eine erfüllende Beziehung zu führen. Entscheidend ist, ob ihr einen Umgang findet, in dem beide Wünsche, Grenzen und Gefühle Platz haben – ohne dass Sex zur Pflicht und ein Nein zum Beziehungsurteil wird.

Was können wir tun, wenn einer von uns deutlich häufiger Sex möchte als der andere?

Ihr müsst den Lustunterschied nicht „lösen“, indem eine Person sich anpasst. Der erste Schritt ist, den Kreislauf aus Forderung, Abwehr und verletztem Rückzug gemeinsam zu erkennen. Danach könnt ihr klare Grenzen, druckfreie Nähe und realistische Absprachen schaffen.

Wichtig ist die Perspektive: Ihr seid nicht Gegnerinnen oder Gegner mit gegensätzlichen Bedürfnissen. Ihr habt ein gemeinsames Thema, das euch beide berührt – nur auf unterschiedliche Weise. Die eine Person vermisst vielleicht sexuelle Verbindung und Bestätigung. Die andere vermisst möglicherweise Freiheit, Entspannung oder das Gefühl, mit dem eigenen Körper selbst bestimmen zu dürfen.

Ein typisches Beispiel aus dem Alltag: Nach einem langen Arbeitstag kommt ein Unternehmer spät nach Hause. Er wünscht sich Sex, auch weil er darüber Nähe und Entlastung spürt. Seine Partnerin hat den ganzen Tag Verantwortung getragen, Termine organisiert, vielleicht Kinder versorgt und kaum einen Moment für sich gehabt. Sie möchte Ruhe. Er hört darin: „Du willst mich nicht.“ Sie spürt in seinem enttäuschten Schweigen: „Ich darf nicht einfach müde sein.“ Beide leiden – und beide reagieren verständlich auf ihre Weise.

Der Ausweg beginnt nicht mit einer perfekten Häufigkeit. Er beginnt mit einem Satz wie: „Wir wollen aufhören, einander für dieses Thema verantwortlich zu machen. Wir wollen verstehen, was zwischen uns passiert.“

Hilfreiche erste Vereinbarungen können sein:

  • Ein Nein wird ohne Diskussion, Schmollen oder spätere Rechnung akzeptiert.
  • Die Person mit mehr Lust darf ihr Bedürfnis aussprechen, ohne sich dafür zu schämen.
  • Die Person mit weniger Lust muss ihre Grenze nicht mit einer „guten“ Begründung verdienen.
  • Ihr unterscheidet bewusst zwischen Zärtlichkeit, erotischer Annäherung und Sex.
  • Ihr sprecht über das Thema zu einem ruhigen Zeitpunkt, nicht unmittelbar nach einer Zurückweisung.

Ist unterschiedliche Lust in einer Beziehung normal?

Ja. Lust ist bei Menschen nicht dauerhaft gleich und auch in stabilen, liebevollen Beziehungen selten immer synchron. Ein Lustunterschied wird vor allem dann belastend, wenn ihr ihn als Beweis für fehlende Liebe deutet oder wenn eine Person regelmäßig über die eigenen Grenzen geht.

Sexuelles Verlangen reagiert auf Lebensphasen, körperliches Befinden, Stress, Beziehungserfahrungen und die innere Verfassung. Gerade Menschen mit hoher beruflicher Verantwortung funktionieren tagsüber oft lange auf hohem Niveau. Was von außen nach Stärke aussieht, kann innerlich Erschöpfung bedeuten. Dann schaltet der Körper am Abend nicht automatisch in Nähe, Spiel und Sinnlichkeit.

Warum Lust sich verändern kann – ohne dass die Liebe fehlt

Lust ist kein verlässlicher Liebestest. Du kannst deinen Partner oder deine Partnerin lieben, attraktiv finden und trotzdem gerade selten oder anders Lust empfinden. Auch umgekehrt kann starkes sexuelles Verlangen nicht nur aus körperlicher Lust entstehen, sondern beispielsweise aus dem Wunsch nach Verbundenheit, Beruhigung oder Bestätigung.

Mögliche Einflüsse im Alltag sind:

  • anhaltender beruflicher oder familiärer Stress
  • Schlafmangel, Überlastung und fehlende Zeit für sich selbst
  • ungelöste Konflikte, Ärger oder emotionale Distanz
  • der Eindruck, ständig funktionieren zu müssen
  • Veränderungen rund um Schwangerschaft, Geburt oder Elternschaft
  • Schmerzen oder körperliche Beschwerden beim Sex

Nach einer Geburt können unter anderem Übermüdung, neue Verantwortung, Schmerzen und die Frage, wie unterstützt sich eine Person in der Partnerschaft fühlt, das sexuelle Erleben beeinflussen. Körperliche Beschwerden beim Sex sollten medizinisch angesprochen werden. (familienplanung.de)

Es geht nicht darum, jede Veränderung wegzuerklären. Es geht darum, nicht vorschnell eine Geschichte daraus zu machen: „Mit mir stimmt etwas nicht“, „Du begehrst mich nicht mehr“ oder „Unsere Beziehung ist kaputt.“ Diese Deutungen erhöhen den Druck – und Druck ist selten ein guter Nährboden für Lust.

Wann wird der Lustunterschied zum Beziehungsproblem?

Nicht die unterschiedliche Häufigkeit allein macht ein Problem. Belastend wird sie, wenn ihr euch nicht mehr sicher fühlt, ehrlich zu sein: wenn Wünsche als Forderungen ankommen, Grenzen Schuld auslösen oder Zärtlichkeit vermieden wird, weil sie vermeintlich automatisch zu Sex führen muss.

Der Kreislauf aus Initiieren, Druck, Abwehr und Rückzug

Viele Paare geraten in ein Muster, das sich selbst verstärkt. Eine Person initiiert häufiger, weil sie Nähe vermisst. Die andere spürt die Erwartung und geht auf Distanz. Die erste Person wird verletzter, drängt mehr oder zieht sich gekränkt zurück. Die zweite Person erlebt nun noch weniger Freiheit und schützt sich noch stärker.

Das Problem ist dann nicht mehr nur der Lustunterschied. Es ist der Umgang damit.

Vielleicht erkennst du einen dieser Sätze:

  • „Ich frage lieber gar nicht mehr, weil ich die nächste Abfuhr nicht ertrage.“
  • „Ich kann kaum noch kuscheln, weil ich Angst habe, dass daraus wieder etwas erwartet wird.“
  • „Wir reden nur über Sex, wenn einer von uns enttäuscht ist.“
  • „Ich sage manchmal Ja, damit endlich Ruhe ist.“

Gerade der letzte Punkt verdient Aufmerksamkeit. Zustimmung sollte frei sein. Sex, der aus Angst vor Streit, Schuldgefühl oder dem Wunsch entsteht, die Stimmung zu retten, löst das Grundproblem nicht. Er kann den inneren Rückzug sogar verstärken.

Solche Beziehungsmuster entstehen selten aus böser Absicht. Dennoch brauchen sie eine bewusste Unterbrechung. Wie ihr wiederkehrende Dynamiken erkennt und verändert, lest ihr auch in Beziehungsmuster durchbrechen: Schritt-für-Schritt-Anleitung.

Warnzeichen: Wenn Nähe zum Verhandlungsthema wird

Achtet besonders darauf, wenn Nähe nur noch unter Bedingungen stattfindet. Etwa: Eine Umarmung ist nur dann „ehrlich“, wenn sie zu Sex führt. Oder ein gemeinsamer Abend wird im Nachhinein als Versprechen ausgelegt.

Dann wird körperliche Nähe unsicher. Die Person mit weniger Lust vermeidet Berührung. Die Person mit mehr Lust erlebt diese Vermeidung als weitere Ablehnung. So verliert ihr genau das, wonach ihr euch beide oft sehnen: einen sicheren Raum für Verbindung.

Wie spreche ich fehlende sexuelle Nähe an, ohne Druck zu machen?

Sprich über dein Erleben, nicht über das vermeintliche Fehlverhalten des anderen. Ein gutes Gespräch vermittelt: „Du bist mir wichtig, und ich möchte verstehen, wie es dir geht“ – nicht: „Du musst dich ändern, damit es mir besser geht.“

Wähle einen Zeitpunkt, an dem ihr nicht gerade im Bett liegt, keine Zurückweisung im Raum steht und keiner von euch zur Tür hinaus muss. Bitte um ein Gespräch, statt es zwischen Tür und Angel zu beginnen.

Wünsche benennen statt Anspruch oder Vorwurf formulieren

Ein Vorwurf macht den anderen schnell zum Problem. Ein Wunsch öffnet eher einen Raum für Kontakt.

Statt:

  • „Du willst ja nie.“
  • „Dir ist unsere Beziehung offenbar nicht wichtig.“
  • „Andere Paare haben bestimmt mehr Sex als wir.“

kannst du sagen:

  • „Ich vermisse körperliche und sexuelle Nähe mit dir und merke, dass mich das traurig macht.“
  • „Ich wünsche mir, besser zu verstehen, was Sex und Berührung für dich im Moment schwierig oder schön macht.“
  • „Mir ist wichtig, dass wir einen Weg finden, der sich für uns beide frei anfühlt.“

Das bedeutet nicht, dass du deine Enttäuschung kleinreden musst. Sie darf da sein. Aber sie sollte nicht zur Waffe werden. Wenn du verletzt bist, formuliere genau das: „Ich bin traurig und vermisse dich“ ist etwas anderes als „Du gibst mir zu wenig.“

Für weitere konkrete Gesprächsimpulse kann euch Authentische Kommunikation in der Beziehung – 10 Quicktipps unterstützen.

Ein Gespräch außerhalb einer Zurückweisung wählen

Wer gerade Nein gesagt hat, möchte nicht sofort eine Grundsatzdebatte führen. Wer gerade abgewiesen wurde, ist oft nicht in der besten Verfassung, um neugierig zuzuhören. Verschiebt das Gespräch bewusst.

Eine einfache Einladung kann so klingen: „Ich möchte am Wochenende in Ruhe über unsere Nähe sprechen. Nicht, um heute etwas zu entscheiden, sondern damit wir uns besser verstehen. Wann wäre ein guter Moment für dich?“

Im Gespräch helfen drei Fragen:

  1. Was vermisst du gerade – und was genau meinst du damit?
  2. Was macht Nähe oder Sexualität für dich im Moment leichter, was schwieriger?
  3. Welche kleine Veränderung wäre in den nächsten zwei Wochen für uns beide stimmig?

Hört euch ausreden. Wiederholt anschließend mit eigenen Worten, was ihr verstanden habt. Nicht um recht zu bekommen, sondern um zu prüfen: „Habe ich dich richtig verstanden?“ Wenn Gespräche schnell eskalieren, findet ihr in Streitgespräche deeskalieren: Kommunikationstricks für Paare weitere praktische Ansätze.

Grenzen setzen, ohne sich für geringe Lust zu entschuldigen

Du darfst Nein sagen, auch wenn dein Gegenüber enttäuscht ist. Eine Grenze ist keine Strafe und keine Abwertung. Sie beschreibt, was sich für dich heute stimmig anfühlt und was nicht.

Wer weniger Lust hat, versucht oft, das Nein besonders weich zu verpacken: mit langen Erklärungen, Ausreden oder einem vorsorglichen Versprechen für später. Das ist verständlich, aber es kann das Nein unsicher machen. Ein klares Nein ist meist fairer als ein halbherziges Ja.

Ein Nein klar sagen und Verbindung dennoch anbieten

Ein Nein muss nicht kalt klingen. Du kannst freundlich und deutlich sein:

  • „Ich möchte heute keinen Sex. Ich mag aber gern noch bei dir liegen und kuscheln.“
  • „Ich merke, dass mein Kopf noch voll ist. Bitte nimm das nicht als Urteil über dich.“
  • „Ich habe gerade keine Lust auf diese Art von Nähe. Eine Umarmung wäre für mich schön.“
  • „Ich kann dir heute kein Vielleicht geben. Mein Nein ist ein Nein, und ich wünsche mir, dass du es respektierst.“

Entscheidend ist: Das Angebot von Nähe ist freiwillig, nicht die Entschädigung für ein Nein. Wenn auch Kuscheln oder Berührung gerade nicht passend sind, darfst du das genauso sagen.

Auf der anderen Seite liegt eine anspruchsvolle Aufgabe: Enttäuschung fühlen, ohne sie demonstrativ einzusetzen. Ein ruhiges „Danke, dass du ehrlich bist“ schützt eure Verbindung mehr als Schweigen, Sarkasmus oder Rückzug. Du musst deine Gefühle nicht verleugnen. Aber du bist dafür verantwortlich, wie du mit ihnen umgehst.

Welche Nähe ist möglich, ohne dass sie zu Sex führen muss?

Nähe ohne sexuelle Erwartung kann eure Verbindung stärken, weil Berührung wieder sicherer wird. Sie ist kein Trick, um später doch Sex zu bekommen, sondern eine bewusste Vereinbarung: Wir dürfen uns nahe sein, ohne dass jemand etwas leisten oder zulassen muss.

Verlässliche Berührung und Zärtlichkeit neu vereinbaren

Viele Paare kennen nur zwei Modi: Abstand oder Sex. Dazwischen fehlt ein Bereich, in dem Körperkontakt einfach Körperkontakt sein darf. Genau diesen Bereich könnt ihr neu gestalten.

Probiert für einen überschaubaren Zeitraum aus, welche Formen von Nähe sich gut anfühlen – mit der klaren Regel, dass daraus nichts Weiteres entstehen muss. Zum Beispiel:

  • zehn Minuten gemeinsam auf dem Sofa sitzen und Händchen halten
  • eine Umarmung zur Begrüßung und zum Abschied bewusst verlängern
  • Rücken, Hände oder Schultern massieren, aber nur nach vorheriger Absprache
  • gemeinsam spazieren gehen, ohne über Organisation und Probleme zu sprechen
  • abends eine Frage stellen: „Was war heute schwer für dich, und was hat dir gutgetan?“

Die Person mit mehr Lust übt dabei, nicht jede Berührung in eine Einladung zu übersetzen. Die Person mit weniger Lust übt, Nähe nicht vorsorglich vermeiden zu müssen. Das braucht Zeit. Gerade deshalb kann es so wertvoll sein.

Mehr alltagstaugliche Ideen findet ihr in Nähe in der Beziehung wiederfinden: 5 alltagstaugliche Impulse.

Praktische Schritte für einen fairen Umgang mit Lustunterschieden

Ein einzelnes Gespräch verändert selten ein Muster, das sich über Monate aufgebaut hat. Hilfreicher sind kleine, verlässliche Schritte. Nicht als neues Projekt, das ihr perfekt erledigen müsst, sondern als gemeinsame Übung in Aufmerksamkeit.

Ein wöchentliches Gespräch über Wünsche, Grenzen und Belastung

Nehmt euch einmal pro Woche etwa 20 Minuten Zeit. Nicht im Bett, nicht nach einem Streit und möglichst ohne digitale Ablenkung. Jede Person beantwortet nacheinander drei Fragen:

  1. Wann habe ich mich dir in dieser Woche nah gefühlt?
  2. Was hat mich belastet oder auf Abstand gebracht?
  3. Was wünsche ich mir für die kommende Woche – und was ist für mich gerade eine klare Grenze?

Hört zunächst nur zu. Keine Widerlegung, keine Verhandlung. Erst danach schaut ihr gemeinsam: Was davon können wir konkret umsetzen?

Für Führungskräfte, Selbstständige und Menschen, die beruflich viel tragen, ist diese Regelmäßigkeit besonders wichtig. Wenn der Alltag dauerhaft von Entscheidungen, Erreichbarkeit und Verantwortung geprägt ist, bleibt Partnerschaft leicht auf dem Restplatz der Energie. Führungskräfte und Beziehungsprobleme: So findest du die Balance zeigt, wie ihr berufliche Belastung bewusster von eurer Beziehung trennt.

Druckfreie Zeit für Nähe und Sexualität schaffen

Geplante Zeit kann unromantisch wirken. Sie muss es nicht sein. Es geht nicht darum, einen Termin für Sex festzulegen, den ihr dann erfüllen müsst. Es geht darum, dem Thema Beziehung einen geschützten Platz zu geben.

Vereinbart beispielsweise einen Abend, an dem ihr euch Zeit füreinander nehmt. Die Absprache lautet: Wir sind offen für Nähe, aber niemand schuldet dem anderen Sex. Vielleicht redet ihr nur, vielleicht kuschelt ihr, vielleicht entsteht erotische Spannung. Alles ist möglich, nichts ist verpflichtend.

Achtet außerdem auf eure Belastungsgrenzen. Wer dauerhaft emotional überfordert ist, kann Nähe häufig nicht einfach auf Knopfdruck herstellen. Emotionale Überforderung in der Partnerschaft: Warnsignale & Auswege kann euch helfen, Warnsignale früher zu erkennen.

Typische Fehler bei unterschiedlicher Lust

Gut gemeinte Reaktionen können den Konflikt ungewollt verschärfen. Je früher ihr sie erkennt, desto eher könnt ihr einen anderen Weg wählen.

Sex als Beweis für Liebe, Loyalität oder Funktionieren behandeln

„Wenn du mich lieben würdest, würdest du wollen.“ Dieser Gedanke ist verständlich, aber er macht Sexualität zu einer Prüfung. Liebe zeigt sich nicht darin, dass jemand jederzeit verfügbar ist. Sie zeigt sich auch darin, dass Grenzen ernst genommen und Bedürfnisse nicht beschämt werden.

Auch Vergleiche mit früheren Phasen oder mit anderen Paaren helfen meist nicht weiter. Eure Beziehung braucht keine Norm von außen. Sie braucht Ehrlichkeit darüber, wie es euch beiden heute geht.

Ablehnung persönlich nehmen oder Zustimmung erzwingen wollen

Ein Nein kann wehtun. Doch wenn jede Absage als persönliche Abwertung gelesen wird, entsteht hoher Druck. Genauso problematisch ist es, wenn eine Person nach einem Nein weiter verhandelt, schmollt, Vorwürfe macht oder sich emotional entzieht, bis die andere nachgibt.

Fragt euch ehrlich:

  • Kann ich ein Nein annehmen, ohne den anderen dafür spüren zu lassen, wie enttäuscht ich bin?
  • Kann ich mein Bedürfnis aussprechen, ohne daraus einen Anspruch zu machen?
  • Kann ich Nähe anbieten, die nicht heimlich an eine Gegenleistung geknüpft ist?
  • Kann ich meine eigene Überforderung wahrnehmen, bevor ich mich aus jeder Berührung zurückziehe?

Diese Fragen sind keine Schuldzuweisung. Sie helfen euch, Verantwortung wieder bei euch selbst zu finden. Emotionale Selbstführung lernen: So stärkst du deine Beziehung vertieft diesen Blick auf die eigenen Reaktionen.

Wann ist Unterstützung als Paar sinnvoll?

Unterstützung ist sinnvoll, wenn ihr allein immer wieder im selben Streit landet, wenn ein Nein regelmäßig zu Druck oder Angst führt oder wenn ihr kaum noch über Sexualität sprechen könnt, ohne dass einer von euch dichtmacht. Auch bei anhaltenden Schmerzen, plötzlich starken Veränderungen des sexuellen Verlangens oder anderen körperlichen Beschwerden gehört eine medizinische Abklärung dazu.

Ein Paarcoaching oder eine Paarberatung kann euch helfen, wieder miteinander zu sprechen und konkrete Vereinbarungen zu entwickeln. Bei sexuellen Fragen und Schwierigkeiten gibt es außerdem spezialisierte Beratungsangebote; auch sexuelle Lustlosigkeit und Erektionsprobleme können dort Themen sein. (familienplanung.de)

Coaching ersetzt keine medizinische oder psychotherapeutische Behandlung. Wenn körperliche Beschwerden beim Sex auftreten, ist medizinisches Fachpersonal eine wichtige Anlaufstelle. (familienplanung.de) Wenn Grenzen wiederholt missachtet werden, Angst im Raum steht oder ihr euch nicht sicher fühlt, braucht es Schutz und passende professionelle Unterstützung – nicht noch mehr Verhandlung über Sex.

Welche Form der Begleitung zu eurer Situation passt, könnt ihr in Der Vergleich: Paarcoaching, Paarberatung, Paartherapie – Was ist der richtige Weg für deine Beziehung? einordnen.

Häufige Fragen

Ist es normal, wenn Partner unterschiedlich viel Sex möchten?

Ja. Lust kann sich im Verlauf einer Beziehung und je nach Lebenssituation verändern. Belastend wird der Unterschied vor allem dann, wenn ihr ihn als Liebesbeweis deutet, Grenzen nicht sicher sind oder ihr kaum noch respektvoll darüber sprechen könnt.

Bedeutet wenig Lust, dass die Liebe fehlt?

Nein. Weniger Lust kann mit Erschöpfung, Stress, ungelösten Konflikten, körperlichem Befinden oder einer belastenden Lebensphase zusammenhängen. Liebe, Anziehung und sexuelles Verlangen sind miteinander verbunden, aber nicht dasselbe.

Wie kann ich Sex ansprechen, ohne meinen Partner unter Druck zu setzen?

Sprich außerhalb einer konkreten Zurückweisung über dein eigenes Erleben. Formuliere Wünsche statt Vorwürfe, höre zu und frage danach, was Nähe für die andere Person gerade leichter oder schwieriger macht.

Wie sage ich Nein zu Sex, ohne den anderen zu verletzen?

Ein klares, freundliches Nein ist fairer als ein halbherziges Ja. Du kannst, wenn es für dich stimmig ist, freiwillig eine andere Form von Nähe anbieten – musst dich dafür aber nicht rechtfertigen oder entschädigen.

Kann Nähe ohne Sex unsere sexuelle Verbindung stärken?

Ja. Berührung und Zärtlichkeit ohne Erwartung können wieder Sicherheit schaffen. Wichtig ist, dass sie kein verdeckter Weg zu späterem Sex sind, sondern wirklich ohne Verpflichtung stattfinden dürfen.

Wann sollten wir wegen unterschiedlicher Lust eine Paarberatung oder ein Paarcoaching erwägen?

Wenn ihr immer wieder in Druck, Rückzug oder heftige Konflikte geratet, ein Nein nicht respektiert wird oder Gespräche über Sexualität kaum noch möglich sind, kann externe Begleitung hilfreich sein. Bei Schmerzen oder anderen körperlichen Beschwerden ist zusätzlich eine medizinische Abklärung wichtig.

Fazit

Unterschiedliche Lust ist nicht automatisch ein Zeichen für eine schlechte Beziehung. Sie wird vor allem dann schmerzhaft, wenn aus einem Bedürfnis eine Forderung wird, aus einer Grenze Schuld und aus Zärtlichkeit eine Erwartung.

Ihr müsst nicht gleich viel wollen. Aber ihr solltet euch beide sicher genug fühlen, ehrlich zu sagen, was ihr braucht, was ihr nicht möchtet und was euch verbindet. Wenn ihr Druck und Rückzug nicht länger gegeneinander ausspielt, kann aus einem festgefahrenen Thema wieder ein Gespräch auf Augenhöhe werden.

Persönlich mit Sascha Mergens

Wieder miteinander ins Gespräch kommen

Wenn sich Lust, Rückzug und Enttäuschung zwischen euch festgesetzt haben, kann ein neutraler Blick neue Handlungsmöglichkeiten eröffnen. In einem unverbindlichen Gespräch mit Sascha könnt ihr klären, was euch gerade wirklich im Weg steht.

Quellen

  1. Sex nach der Geburt – familienplanung.de – familienplanung.de
  2. Beratungsthemen – familienplanung.de – familienplanung.de

Nähe ist eine Entscheidung.

Executive Relationship Coaching für Selbständige, Unternehmer und Geschäftsführer, die privat klar, präsent und verbunden bleiben wollen.

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